Pragser Wildsee

Der Pragser Wildsee am Fuße des Seekofels

Einer der schönsten Seen in den Dolomiten – wenn nicht sogar der schönste – befindet sich im Südtiroler Hochpustertal inmitten der Pragser Dolomiten: der Pragser Wildsee.

Der Pragser Wildsee liegt bei der Gemeinde Prags am Fuße des Seekofels auf einer Höhe von 1.494 Metern über dem Meeresspiegel. Auf Italienisch wird der Pragser Wildsee „Lago di Braies“, auf Ladinisch „Sass dla Porta“ genannt. Der See hat eine Wasserfläche von insgesamt 31 Hektar und eine durchschnittliche Tiefe von 17 Metern, wobei die tiefste Stelle 36 Meter tief ist. Das Panorama des Pragser Wildsees bildet der 2.810 Meter hohe Seekofel, der seinen Namen dem Pragser Wildsee zu verdanken hat. Hat man die Gelegenheit, auf den Seekofel zu steigen, sollte man diese auch wahrnehmen. Vom Seekofel hat man nämlich einen traumhaften und einmaligen Blick auf den Pragser Wildsee; aufgrund der Aussicht vom Seekofel kann man uneingeschränkt bestätigen, dass der Pragser Wildsee der schönste See in den Dolomiten ist.

Der See hat seinen geologischen Ursprung in der Entstehung eines Staudammes, welcher durch einen natürlichen Murenabgang entstand.

Das Hotel am Pragser Wildsee

Direkt am Pragser Wildsee befindet sich das Hotel „Pragser Wildsee“, welches sehr bekannt ist. Hier hat sich allerdings auch im Zweiten Weltkrieg geschichtlich Bedeutendes ereignet, weshalb in dem Hotel das „Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee“ beheimatet ist.

Die Geschichte des Hotels „Pragser Wildsee“ ist mit Emma Hellenstainer – bekannt als „Frau Emma aus Europa“ – eng verbunden. Emma Hellenstainer gilt als Pionierin auf dem Gebiet des Tourismus und hatte schon sehr zeitig erkannt, dass es sich beim Fremdenverkehr im Pustertal um einen nachhaltigen Zukunftsmarkt handelt. Emma heiratete den aus Niederdorf stammenden Josef Hellenstainer (Adlerwirt) und kam dadurch nach Südtirol und ins Pustertal. Hier im Herzen der Dolomiten konnte sie ihren Pioniergeist und die Gastfreundschaft in vollen Zügen ausleben. Durch ihren Erfindergeist und ihre Gastfreundschaft trug sie einen wesentlichen Teil zum beginnenden Tourismus in diesem Gebiet bei.

Mit dem Pragser Wildsee hatte sie einen Ort gefunden, an dem sie Ruhe und Erholung fand. Nachdem der Pragser Wildsee sich seit dem Jahr 1856 im Besitz der Familie Hellenstainer befand, begann die Familie auch hier, den See touristisch zu erschließen. So wurde im Jahr 1890 direkt am Seeufer des Pragser Wildsees ein Blockhaus errichtet, welches zum Verkauf von Schwarzbrot, Wein und Bier diente. Schon kurze Zeit später wurde eine Gaststätte mit Fremdenzimmern errichtet. Eduard Hellenstainer, der Sohn von Emma Hellenstainer, ließ dann das Hotel „Pragser Wildsee“ errichten, welches am 10.07.1899 eröffnet werden konnte. Architekt des Hotels war der bekannte Wiener Architekt Otto Schmid.

Auch an diesem Hotel zeigte sich der Erfolg der Familie Hellenstainer in touristischer Hinsicht. Namhafte Gäste kamen in das Hotel „Pragser Wildsee“. So konnte im Jahr 1906 die jüngste Tochter von Kaiser Franz Josef, die Erzherzogin Marie Valerie von Österreich, begrüßt werden. Deren Mann, der Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana, kam zwei Jahre später, im Jahr 1908, in das Hotel am Fuße des Seekofels. Erzherzog Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, kam mit seiner Familie und Gefolge ebenfalls in das Hotel.

Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs haben sich im Hotel „Pragser Wildsee“ bedeutende Begebenheiten ereignet. In das Hotel wurden prominente KZ-Häftlinge transportiert, die aus 17 Ländern von ganz Europa kamen. Es handelte sich um Sippen- und Sonderhäftlinge, die Dr. Ernst Kaltenbrunner, dem SS-Obergruppenführer und Polizeigeneral für Verhandlungen mit den Westalliierten zur Verfügung stehen sollten.  Die insgesamt 139 Häftlinge kamen zunächst in das Konzentrationslager Dauchau und im Anschluss daran im April 1945 nach Niederdorf, der heute des Pragser Wildsees nahe gelegenen beliebten Feriengemeinde. Die SS-Wachmannschaften mussten dafür Sorge tragen, dass die prominenten KZ-Häftlinge nicht lebend in die Hände des Feindes kamen.

Unter den prominenten Häftlingen waren unter anderem der damalige französische Ministerpräsident Léon Blum mit Ehefrau, der ehemalige österreichische Bundeskanzler Kurt von Schussnigg mit Frau und Tochter, General Alexandros Papagos (Oberbefehlshaber des griechischen Heeres), Miklós von Kállay (ehemaliger ungarische Ministerpräsident), Clermont-Ferrand (französischer Bischof von Clermont-Ferrand), Martin Niemöller (evangelischer Pfarrer) und Familienangehörige des Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Am 30.04.1945 konnten die gefangenen Häftlinge durch das mutige Handeln des Wehrmachtsoffiziers Wichard von Alvensleben, nachdem dieser von dem Gefangenentransport erfahren hatte, befreit werden. Noch an diesem Tag wurden die aus der SS-Gewalt Befreiten ins Hotel „Pragser Wildsee“ gebracht. Emma Hellenstainer beherbergte die befreiten Geiseln im Hotel „Pragser Wildsee“ bis zum 04.05.1945; an diesem Tag wurden die deutschen Soldaten in Gefangenschaft der US-Armee genommen und über Verona und Neapel auf die Insel Capri gebracht. Nach Verhören erhielten die befreiten Geiseln die Erlaubnis zur Heimkehr.

Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee

Aufgrund der Ereignisse, welche sich im Zweiten Weltkrieg in dem Hotel „Pragser Wildsee“ abgespielt haben, beherbergt das Hotel heute das Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee. Damit sollen die Ereignisse auch für die künftigen Generationen in Erinnerung gehalten werden. In dem Zeitgeschichtsarchiv sind sämtliche verfügbaren Dokumente der SS, Häftlingsaufzeichnungen, Bücher, Zeugenaussagen, Aufsätze und Berichte über den Geiseltransport zusammengetragen. Noch heute treffen sich jedes Jahr etwa Mitte Juli Angehörige Stauffenbergs und diverser anderer Widerstandskämpfer.

Auch andere geschichtliche Themen werden von dem Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee aufgegriffen. Als Beispiele sind hier die Kämpfe zu nennen, welche sich im Ersten Weltkrieg in den Dolomiten abgespielt haben und wie der Alpinismus und Fremdenverkehr im Hochpustertal seine Anfänge nahm.

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