Das Ladinische in Kultur und Sprache – Tradition in Alta Badia

Wie viele andere, gehört auch die Ladinische Sprache zu den romanischen Sprachen. Sie wird rund um die Sella, außer im Gadertal auch noch im Grödnertal, dem Buchensteintal, im Val di Fassa, in Cortina, aber auch im Schweizer Kanton Graubünden und in der Region Friaul rund um die Stadt Udine in Italien gesprochen.

Obwohl diese Sprache erst verhältnismäßig spät in der Literatur ihre Erwähnung findet, hat sie doch uralte Wurzeln die bis ins Jahr 1700 zurückgehen und auch durch alte Dokumente belegt sind. Vor dieser schriftlichen Erwähnung fand die Überlieferung von Mythen und Legenden nur mündlich von Generation zu Generation statt. In der heutigen Zeit ist man durch immer wieder neue Veröffentlichungen stetig bemüht ein Kulturerbe zu pflegen und zu erhalten, weshalb auch die Zahl der Autoren ständig wächst.

Da die Provinz Bozen im Grödner- und Gadertal auf die Erhaltung von Kultur und Sprache sehr bedacht ist, wurden die Ladiner dort auch als dritte ethnische Volksgruppe anerkannt und entsprechend auch stark unterstützt.

Alta Badia – Kultur und Geschichte

Die Ladiner sind in den vier Tälern rund um den Sellastock in den Dolomiten beheimatet. Eines dieser Täler, das Gadertal, wird auch als die Perle der Dolomiten und Wiege der Geschichte, Kultur und Sprache Ladiniens bezeichnet. Selbst im täglichen Leben werden dort heute die alten Traditionen weiter gepflegt.

Spuren von menschlicher Besiedelung konnten allerdings erst in der Bronzezeit nachgewiesen werden. Damals wurde das Gadertat von den Kelten besiedelt, die dort Hirse und Hafer anbauten und auch schon Milch zu Käse und anderen Produkten verarbeiteten. Vorher, in der Mittelsteinzeit, hausten dort nur wilde Tiere. Insbesondere Knochenteile einer Bärenart, dem „Ursus Spelaeus“, konnten in einer Höhle in den Conturines gefunden werden.

Geordnete politische Verhältnisse kehrten dann erst mit den Römern ein. Deren Sprache vermischte sich mit derer der dort ansässigen Kelten, wodurch sich die ladinische Sprache entwickelte, die bis heute noch gesprochen wird.

Das Jahr 1027 führte dann zu einer Neuordnung des Gebietes. Das Bischoffürstentum Brixen wurde gegründet und dabei dem Brixener Bischof die linke Talseite der Gader zugesprochen. Die Pustertaler Grafschaft erhielt im Rahmen dieser Aufteilung die rechte Talseite der Gader. Der Name „Badia“ geht auch auf diese Zeit zurück. Ein Benediktinerkloster bei St. Lorenzen im Pustertal, das „Ciastelbadia“ (Sonnenburg) prägte diesen Namen.

Das Gadertal hatte im Laufe der Geschichte viele Herren. So wurde es nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 von Italien annektiert und dem Trentino zugesprochen. Die Ladinische Welt ließ sich aber durch den dadurch begonnenen Italisierungsprozess nicht beirren, so dass diese Entwicklung so gut wie keine Spuren hinterließ.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erkannte dann der berühmte Bergführer Franz Kostner die touristischen Möglichkeiten im Gadertal und sorgte dafür, dass die Erschließung für den Verkehr vorangetrieben wurde. Er baute 1930 den ersten Schlittenlift und eröffnete bereits 1934 eine Skischule, so dass sich Alta Badia rasch zu einem attraktiven Skigebiet entwickelte. Diese Entwicklung hielt bis in die heutige Zeit an. Das „Dolomiti Superski“ um Alta Badia ist heute das größte und bekannteste Skigebiet der Welt.

Obwohl die rasante Entwicklung in allen Bereichen nicht zu stoppen war, schafften es die Ladiner ihre Traditionen und ihre eigene Sprache zu pflegen und zu erhalten, weshalb sie letztendlich von der autonomen Provinz Bozen auch als dritte ethnische Gruppe in Südtirol anerkannt wurden.

Der Heilige Josef Freinademetz

In Alta Badia findet ein Kirchenmann besondere Verehrung, der heilige Pater Josef Freinademetz. An fast jeder Ecke, in jeder Kirche und in fast jedem Haus im Gadertal kann man sein Bild finden. Er ist der Schutzheilige des Gadertales.

Josef Freinademetz wurde in 1852 Oies, einem kleinen Weiler mit fünf Häusern in der Nähe von St. Leonhard/Pedratsches in eine Bauernfamilie hinein geboren. Bereits während seiner Studienzeit im Priesterseminar der Diözese Brixen stand für ihn fest, dass er Missionar werden wollte. Im Jahr 1879 verließ er seine Heimat und reiste als Missionar nach China, wo er auch bis zu seinem Tod im Jahr 1908 lebte.

Seine Zeit in China war nicht einfach. So war er ständig von Verfolgungen, Armut und Krankheiten bedroht. Allerdings gab ihm sein tiefer Glaube immer Halt und Unterstützung. Aber seine Heimat konnte er nie vergessen, was durch viele Briefe und seine Aufzeichnungen über die grünen Wiesen und hohen Gipfel seines Gadertales belegt ist.

Bereits aus dem Jahr 1939 existieren Aufzeichnungen über Wunder des Paters Freinademetz. Er wurde am 19. Oktober 1975 selig- und am 5. Oktober 2003 zusammen mit dem Steyler Ordensgründer Arnold Janssen durch Papst Johannes Paul II heilig gesprochen.

In seinem Geburtsort Ojes kann man das Geburtshaus sowie eine kleine Heilig-Kreuz-Kirche bewundern. Hier sind auch die Stationen und Werke seines Lebens dargestellt.

„Les Viles" in Alta Badia

Die „Les Viles“ sind typische Ladinische Bauten die nach ganz speziellen Mustern errichtet wurden. Hierbei wurden die gesellschaftsfreundliche und offene Bauart der Römer mit der geschlossenen und isolierten Bauform des bajuwarischen Volkes kombiniert. Als älteste Siedlungsart in Alta Badia gilt die „Vila“, bei der man davon ausgeht, dass sie zu Beginn nur für eine Familie errichtet und erst in späterer Zeit zu „Viles“ erweitert wurde.

Eine „Vila“ wurde immer nur von einer Familie bewohnt und bestand aus zwei Gebäuden. In einem, der „Ciasa“ (Haus), befand sich eine Wohnung in der oberen Etage, die Speisekammer und die Werkstatt im Erdgeschoss und darunter der Keller. Das zweite Gebäude, die „Majun“ befand sich daneben. Hier fand man im Erdgeschoss den Stall und darüber einen Abstellraum oder Heuschober mit Balkon. Verbunden waren die beiden Gebäude oftmals mit einem Steg.

Durch ihre spezielle Aufteilung hatten die „Viles“ vor allem eine soziale Bedeutung. Sie stellten solidarische und brüderliche Gemeinschaften dar, in denen Arbeiten aufgeteilt waren und man sich auch z. B. beim Bau neuer Gebäude half. Außerdem wurden Plätze, Pfade und Wege, sowie Brunnen, Tränken und auch Backöfen gemeinsam genutzt.

Heute noch wird durch gewisse Regeln die Erhaltung der „Viles“ sichergestellt. So ist das Gesetz der geschlossenen Höfe, bei dem geregelt ist, dass der älteste Sohn den Hof als Ganzes erbt, in Südtirol noch weit verbreitet.

Die Ladinische Küche in Alta Badia

Einheimische Bauern stellen traditionelle Produkte her. Das ist eine der Grundregeln der Ladinischen Küche, die hauptsächlich auf althergebrachter Zubereitung mit frischen Zutaten von einheimischen Bauern basiert. Die authentische Küche von Alta Badia lebt immer wieder von neuem auf durch die Verwendung von landestypischen Produkten und manch kleinem altertümlichen kulinarischem Geheimnis.

Sehr schmackhafte Gerichte entstanden oft aus einem Mangel an Zutaten, waren aber manchmal auch schlechten Ernten geschuldet. Sie sind aber durch die Generationen hindurch erhalten geblieben und auch noch in der heutigen Zeit auf jeder Südtiroler Speisekarte zu finden. Typische Beispiele sind hier die Schlutzkrapfen, die Turtres, die Gestensuppen aber auch Strudel in jeglicher Form.

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