Das Schaubergwerk in Prettau, Südtirol

In der kleinen Südtiroler Gemeinde Prettau befindet sich ein Schaubergwerk, welches die Besucher in die mit dem Gebiet lange verbundene Tradition des Bergbaus eintauchen lässt. Die Einwohner von Prettau und Umgebung hatten in diesem Gebiet über mehrere Jahrhunderte hinweg Kuper abgebaut und damit ihren Lebensunterhalt verdient.

Mit dem wurden aufgrund der sehr guten Dehnbarkeit vor allem Messingprodukte und feine Drähte hergestellt. Beim Messing handelt es sich um eine der bekanntesten Kupferlegierungen, bei dem als Legierungsmetall Zink verwendet wird.

Obwohl der Bergbau in Prettau schon längst der Vergangenheit angehört, können alle Interessierten noch heute hautnah erleben, wie das Erz in dem Bergwerk abgebaut wurde und welch eine schwere Arbeit die Menschen damals leisten mussten.

Geschichtliches zum Kupferbergwerk

Bereits im Jahr 1426 wurde in Prettau erstmals von dem Bergwerk berichtet. Die Dokumentationen berichten, dass der Büchsenmeister Christoph für 33 Mark drei Pfund Kupfer gekauft hatte. Mit dem Kupfer sollte er zwei Büchsen herstellen, welcher der Landesfürst Friedrich IV in Auftrag gegeben hatte (Hinweis: der Landesfürst Friedrich IV wird oftmals auch als der „Friedl mit der leeren Tasche“ bezeichnet).

Obwohl das erste Dokument, welches vom Bergbau in Prettau berichtet, aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt, ist davon auszugehen, dass hier bereits sehr viel früher der Bergbau betrieben wurde. Unterstützt wird diese Vermutung durch den Fund einer Streitaxt, welche schon aus der Zeit etwa von 1300 bis 1000 vor Chr. stammen könnte.

Wer die ersten Gewerke, also die ersten Anteilseigner, des Kupferbergwerks in Prettau waren, ist leider nicht bekannt. Ab dem Jahr 1504 war die Familie der Freiherren von Welsberg die Gewerken des Bergwerks. Die Familie von Wolkenstein-Rodenegg hatte das Bergwerk, nachdem der letzte Nachkomme der Familie der Freiherren von Welsperg verstarb, ab dem Jahr 1562 weitergeführt. In den folgenden Jahrzehnten hatte das Bergwerk eine ganze Reihe an Besitzern, bis die Grafen von Tannenberg und die späteren Freiherren von Sternbach ab dem Jahr 1676 jeweils zur Hälfte das Bergwerk übernahmen. Der Graf Enzenberg wurde ab 1831 Besitzer des Bergwerks.

Aufgrund einer Übermurung des Schmelzwerkes musste der Bergbau in Prettau im Jahr 1893 eingestellt werden. Durch eine Neuerbauung des Schmelzwerkes konnte das Bergwerk leider nicht gerettet werden. Im Jahr 1957 hatte man das Bergwerk nochmals aktiviert, den Kupferabbau jedoch endgültig im Jahr 1971 eingestellt.

In den 1990er Jahren hatte man den Erbstollen zu einem Schaustollen ausgebaut, sodass das Schaubergwerk Prettau im Jahr 1995 seine Pforten öffnen konnte.

Wie man das Kupfer abbaute

Um das Kupfer überhaupt abbauen zu können, musste man erst einmal wissen, wo dieses überhaupt vorhanden ist. Dazu suchten die Menschen Stellen, an denen das Erz „ausbeißt“. Das sind Stellen an der Erdoberfläche, wo das Erz bereits sichtbar war. Das Ausbeißen des Erzes fand in Prettau in der Nähe des Rötkreues auf einer Höhe von mehr als 2.000 Metern über dem Meeresspiegel statt. Die Erdadern selbst hatten eine Breite von bis zu zehn Metern und führten etwa 550 Meter in die Tiefe. Je weiter man sich der Talsohle nähert, desto länger werden die Erzgänge, welche zu den Stollen führen.

Sofern man das Erz nicht durch das Ausbeißen gefunden hatte, taten sich die Menschen relativ schwer, dieses auf andere Art und Weise zu lokalisieren. Es existieren jedoch Sagen, welche davon berichten, dass das Erz einst von Tieren freigescharrt wurde. Die Menschen behalfen sich allerdings auch durch Beobachtung der Natur damit, das Erz zu finden. Hatten beispielsweise das Gras oder die Kräuter nur eine sehr schwache Farbe bzw. sind diese bereits schon sehr zeitig verdorrt, konnte man auf das darunter liegende Erzvorkommen schließen.

Das Kupfer wurde von den Bergleuten früher zunächst über das Schrämen abgebaut. Der Knappe setzte hier ein Eisen mit einer Hand auf und mit der anderen Hand wurde das Eisen in das Gestein gehauen. Etwa im 17. Jahrhundert hatte man sich dem Schwarzpulver bedient um das Kupfer abzubauen. Man geht davon aus, dass in dem Kupferbergwerk Prettau jährlich Kupfer im Umfang von zirka 56 bis 84 Tonnen abgebaut bzw. gewonnen wurde.

Der Besuch des Kupferbergwerks

Wer das Schaubergwerk in Prettau besichtigt, wird mit einer uralten, aber restaurierten Grubenbahn, welche über zwei Mannschaftswaggons verfügt, in das Bergwerk gefahren. Am Grubenbahnhof, dem Ziel der Grubenbahn, befindet sich in der Nähe ein großer Hohlraum in dem eine alte Seilwinde besichtigt werden kann. Die Seilwinde diente einst dazu, das Abbaugut aus dem Erzherzog-Johann-Schacht hinaufzuziehen. Bei der Seilwinde befindet sich auch ein Bildschirm über den interessante Informationen über das Prettauer Bergwerk gezeigt werden.

Im Anschluss an den kleinen Filmvortrag startet man zwei Rundgänge. Ein Rundgang verläuft auf der Sohle des Ignazstollens und ist etwa 250 Meter lang. Der zweite Rundgang führt zur Sechsersohle und ist etwa 80 Meter lang.

Das Schaubergwerk Prettau kann ab Anfang April bis Ende Oktober täglich in der Zeit von 09:30 Uhr bis 16:30 Uhr im Rahmen von Führungen besichtigt werden, wobei die letzte Führung um 15:00 Uhr beginnt. Montags hat das Schaubergwerk, wie fast alle Museen in Südtirol, geschlossen.

Wer sich das Schaubergwerk Prettau ansieht, sollte sich auch das Bergbaumuseum im Kornkasten Steinhaus ansehen. Dieses Bergbaumuseum ergänzt das Schaubergwerk, sodass man durch die Besichtigung beider Angebote einen ausgezeichneten Eindruck über den Bergbau in Prettau erlangen kann.

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